Wer lebt morgen noch im Revier?

Schirmherr: Prof. Dr. Jan-Hendrik Olbertz


Nach der Begrüßung im Bürgerhaus Hohenmölsen folgte für die Teilnehmer der SOMAK ein gemeinsamer Besuch des Hohenmölsener Altstadtfestes. Zwischen Spektakel und traditioneller Handwerkskunst bot sich ausreichend Gelegenheit, gesellig bei einander zu sein. Dabei trafen sich auch einige alte "SOMAK -Bekannte" wieder. Mit Spannung wurde eine erlebnisreiche Woche erwartet. Das neue Thema sorgte bereits an diesem Abend für Diskussionsstoff.

Interdisziplinäres Arbeiten

Das Teilnehmerfeld gestaltete sich seitens der vertretenen Fachrichtungen sehr vielschichtig. Folgende Disziplinen waren am Start: Volkswirtschaft/Betriebswirtschaft, Musikwissenschaft, Kultur-
und Medienpädagogik, Immobilienwirtschaft, Umweltschutz/Hydrologie, Logistik, Archäologie, Bioingenieurwesen, Geotechnik/Bergbau, Soziologie, Design, Erziehungswissenschaften, Politikwissenschaft,. Geographie und Wirtschaftingenieurwesen.

Die Formel (Neues Revier = Zuzug und Aufschwung) mit negativem Vorzeichen versehen, könnte zur fatalistischen Schlussfolgerung (Ende des Reviers = Abwanderung und Niedergang) führen, die natürlich keine Option für die betroffene Region darstellen kann und darf. Folglich kann es nur darum gehen, vor Ort nach Gestaltungsansätzen zu suchen, daraus tragfähige Konzepte zu entwickeln und umzusetzen, in denen alte Erfahrungen und neue Ideen sinnvoll miteinander verbunden werden.

Einen gesunden Lebensbaum im Revier schaffen, wie funktioniert das? Mancher Teilnehmer war sichtlich erschrocken, zu spüren, welche Fülle von Aufgaben sich mit dem Anfassen dieser Idee auftut. Moderner Bergbau und eine ebenso moderne Rekultivierung sind mit Arbeitsnomaden nicht zu realisieren. Beides braucht bodenständige Fachkräfte, Beides lebt von und für Innovation. Da hilft es niemand, den demografischen Wandel als allmächtiges Gespenst hinzunehmen und sich vor ihm in Ohnmacht fallen zu lassen. Vielmehr wurde in der Abschlusspräsentation der Teilnehmer deutlich, das die komplexe Problemlösung eine enge Zusammenarbeit von Wirtschaft, Bildung und Kommunalpolitik fordert. Weiterhin ist jeder Einzelne im Revier gefragt. Dienst nach Vorschrift ist out. Engagement ist in. Auch darüber waren sich die Teilnehmer einig. Soziale Bindungen zu haben, ist nicht ausschließlich auf den Arbeitsplatz zu reduzieren.

Zur Abschlussveranstaltung im Bürgerhaus Hohenmölsen erschienen ca. 80 Gäste. Die Präsentationen der einzelnen Arbeitsgruppen beinhalteten ein breites und teils ungewöhnliches Spektrum der Art, sich mit der Thematik auseinander zu setzen. Während die Einen die analytische Form anhand regionaler Gegebenheiten bevorzugten, brachten die Anderen die Erfahrungen aus ihren Heimatländern ein. Eine weitere Gruppe ließ kurzerhand ein Bühnenstück entstehen, in dem unter Anderem festgefahrene bürokratische Strukturen und deren Folgen auf's Korn genommen wurden. Die Pointen besaßen reichlich Witz, dessen Eigenwilligkeit zuerst zum Lachen führte und kurz darauf sehr nachdenklich stimmte.


Teilnehmer-Feedback

Noch vor der Abschlusspräsentation am 08. September '06 notierte "Emmy" (Emely Martin) die ersten Meinungen und Feedbacks der Teilnehmer. Wir freuen uns über die rege Beteiligung und möchten auf diesem Weg DANKE sagen! Den folgenden Textbeitrag haben wir unzensiert und im Original-Telegrammstil übernommen:

>>SOMAK - was fällt dir dazu ein? >>es hat spaß gemacht! ich habe ein Zertifikat - das ist sehr wichtig. Wir bekamen wenig Schlaf, aber es gab viel zu essen. Somit glich sich das aus. wenn ich mich am donnerstag vormittag auf dem hohenmölsener markt umschaue und die vielen alten, zum teil gehbehinderten bürger dieser stadt sehe, dann wird mir relativ deutlich, auf welche situation sich die gesellschaft einzustellen hat - sowohl was soziale leistungen betrifft als auch städtebauliche maßnahmen. >>>> viele infos >>> viele neue ansichtspunkte & sichtweisen >>> nette leute >>>gutes essen>>> volles programm >>> keine langeweile >>> !spaß! >>>*schlechter wein (*aus der region, meinten wohl eher auch andere) >>> luxus: (essen, unterkunft) >>> toll! >>>

>>War es genauso im vergleich zum letzten mal? >> das letzte thema war einfacher zu gestalten. >>> neue orte wurden aufgesucht. >>> ich würde wieder teilnehmen. >>> viel spaß und freude >>> sehr informative diskussionen und exkursionen >>> ich hoffe doch eine gelungene präsentation. (interview fand vor den präsentationen statt) >>> * 4 buchstaben grins >>> * global für lokal! im voraus eine große geste, * toooll!

Weiterhin erhielten wir interessante eMail's, deren Inhalte die 2006er SOMAK Revue passieren ließen. So schrieb Kerstin aus Österreich:

"Die SOMAK ist für mich besonders interessant gewesen, da ich selbst aus einer alten Bergbauregion stamme. Bei uns in Voitsberg (Österreich) ist die Rekultivierung jedoch schon weit fortgeschritten und es wird kein aktiver Bergbau mehr betrieben. Deshalb war es für mich sehr spannend zu sehen, wie landschaftsprägend und identitätsstiftend Bergbau sein kann. Ich finde die SOMAK ist ein wichtiges Instrument, um Zukunft im Zeitz-Weißenfelser Revier gestalten zu können, da man sich bewusst sein muss, dass auch die Kohlevorkommen irgendwann erschöpft sein werden. Ich schätze es deshalb sehr, dass man sich jetzt schon darüber Gedanken macht, was in Zukunft sein wird. Besonders gut an der SOMAK gefällt mir der schöpferische Charakter, den das Projekt hat und, dass junge Leute dazu eingeladen werden Zukunft mitzugestalten. Ich schätze es auch sehr, dass die Ideen der TeilnehmerInnen ernst genommen und auch umgesetzt werden. Für die Zukunft wünsche ich dem Team der SOMAK weiterhin viel Erfolg, frische Ideen und viel Unterstützung durch regionale Entscheidungsträger und Wirtschaftstreibende. Denn die SOMAK ist eine wertvolle Veranstaltung für die gesamte Region!

LG und alles Gute, Kerstin"

____________________________________________________________________________

"Hallo Frau Meinhardt, nochmals recht herzlichen Dank, dass ich an Ihrer SOMAK teilnehmen durfte. Es hat mir viel Spaß gemacht und meinen Horizont erweitert. Sie sind an dieser Stelle (damit ist die Leitung der SOMAK gemeint, d.Red.) sehr gut aufgehoben. Weiter so.

Mit den besten Grüßen, Ronald Luckanus"

____________________________________________________________________________

"Die Woche ging wieder viel zu schnell um, man hätte noch so viel erzählen und machen können, aber das kann man ja nachholen. Auch möchte ich dir noch mal DANKE sagen, für deine Mühe [Sabine], die Du bei der ganzen Sache hast. ...

Mit freundlichen Grüßen und einem herzlichen Glück Auf! Alexander"

____________________________________________________________________________

"Es war eine sehr erlebnisreiche Woche, in der wir nicht nur viele wichtige Informationen zum Thema demographischer Wandel im Zusammenhang mit dem Braunkohlebergbau in Mitteldeutschland erhalten haben, sondern auch viele nette und interessante Menschen kennen lernen durften. ...

Mit freundlichen Grüßen, Julia"

____________________________________________________________________________

Im Resümee von Britta Miekley lesen wir unter Anderem:

"Unter dem Motto "Wer lebt morgen noch im Revier?" sind wir hier im Zeitz-Weißenfelser Revier und dem angrenzenden Leipziger Neuseenland per Bus, zu Fuß und mit dem Fahrrad unterwegs gewesen. Wir haben Vertreter von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft getroffen, uns über ihre Sicht der Dinge informiert und die Sorgen und Nöte vor Ort gesehen – aber auch das Potential der Region. Bei angeregten Diskussionen in größeren und kleineren Kreisen ist uns bewusst geworden, das es schon viele Interessierte und Engagierte gibt, die die Aufgaben, die der demographische Wandel mit sich bringt, zwar erkannt, aber noch nicht gelöst haben. Vielleicht konnten wir – die Teilnehmer der diesjährigen Sommerakademie – mit unserem Blick von Außen und den frischen Ideen, die eben hier vorgetragen wurden, doch den einen oder anderen Stein ins Rollen bringen. Wir hoffen:

* Mut gemacht zu haben, für das Einbringen eines jeden Einzelnen und
* Hoffnung geweckt, auf eine Entwicklung, die nicht nur nötig, sondern auch möglich ist, und die um so schneller vollzogen ist, je mehr Hände und Köpfe mit anpacken."

____________________________________________________________________________

In den Feedback-Bögen wurden außer den bereits genannten Punkten, folgende Punkte besonders positiv bewertet (Auszug):

* Das Kennenlernen und Zusammenarbeiten mit Studenten aus anderen Fachgebieten und Ländern.
* die freundliche Atmosphäre, Herzlichkeit, Gesamtkonzept
* Engagement der Organisation!
* unkompliziertes und freundschaftliches Miteinander der Teilnehmer
* die Gruppenaktivitäten - die Vorbereitung der Präsentation, Kegeln, der Besuch im Kindergarten, Radfahren im Revier, Exkursionen
* Diskussion mit Leuten aus Hohenmölsen
* Offenheit der Institutionen
* interdisziplinäres Arbeiten, Austausch- und Vernetzungsmöglichkeiten
* Nachdenken und Klarmachen über eigene Zukunft