„Stromflüsse - Himmelswege – Wasserstraßen“ - Infrastrukturen als Lebensadern„Stromflüsse - Himmelswege – Wasserstraßen“ - Infrastrukturen als Lebensadern

Montag – 21.09.2009

Der erste Tag versprach gleich spannend zu werden. Er begann mit einer Befahrung des Tagebaus Vereinigtes Schleenhain. Dabei wurde uns nicht nur die Abbautechnologie erklärt sondern wir konnten auch ganz nah an die beeindruckenden Großbagger. Im Anschluss trafen wir uns in den Tagesanlagen der MIBRAG zu einer Gesprächsrunde zum Thema „Wege der Kohle“. Dabei standen Infrastruktur, Stromwege und Lebensadern von Flora und Fauna im Mittelpunkt.

Den Weg der Kohle verfolgten wir dann weiter bei einem Besuch des Kraftwerkes Lippendorf. Hier wird die Kohle aus dem Tagebau verstromt. Beeindruckend war es nicht nur im Kesselhaus, sondern auch auf dessen Dach in 160 m Höhe. Leider war das Wetter sehr trüb, so dass wir die Fotoapparate unverrichteter Dinge wieder einstecken mussten.

Schon mit vielen Eindrücken „belastet“ wandten wir uns im Anschluss einem anderen Schwerpunkt zu, der bergbaubedingten Umsiedlung. Wir fuhren zum Freizeitpark Pirkau, auf dessen Gelände derzeit ein „Hain der verlorenen Orte“ angelegt wird. Nun war es vorbei mit zuhören und mitschreiben. Hier mussten wir SOMAKianer zur Schippe greifen und die Gedenksteine für 4 von insgesamt 14 Ortschaften verlegen. Im Anschluss ging es zum gemütlichen Tagesausklang in das Sportlerheim am Südhang von Hohenmölsen. Dort konnten wir unsere Fragen zum Tag und zum Thema Umsiedlung an den Geschäftsführer der MIBRAG und Umsiedler aus der Gemeinde Grossgrimma stellen.

           

Dienstag – 22.09.2009

Am Dienstag erkundeten wir SOMAKianer unter dem Motto „Stromflüsse“ das Leipziger Umland. Unsere erste Station des Tages war die enviaM Mitteldeutsche Energie AG in Taucha, wo wir erfuhren, dass die enviaM der führende regionale Energiedienstleister in Ostdeutschland ist und sich durch ein vielfältiges Produkt- und Dienstleistungsspektrum auszeichnet. Denn neben Strom, Wärme, Wasser oder Energienahen Dienstleistungen bietet enviaM auch Telekommunikation, Daten¬verarbeitung, Aus- und Weiterbildung, Abrechnung oder Kundenbetreuung an. Nachdem wir die Umspannwerke in Taucha besichtigen konnten, gab es eine Stärkung beim reichlichen Mittagessen in der Kantine der enviaM.


Die zweite Station des Tages bildete die European Energy Exchange AG in Leipzig, kurz die Strombörse. Hier konnten wir erfahren, dass die EEX im Jahr 2002 aus der Fusion der beiden deutschen Strombörsen in Leipzig und Frankfurt hervorging und dass ihre Handelspartner Energieversorger, Stadtwerke, Industrieunternehmen, Energiehändler aber auch Broker und Banken sind. Nebenbei erlebten wir auch, wie die Netzwerke der SOMAK entstehen, denn unser Referent war Herr Robert Gersdorf, der im Jahr 2007 selbst an der SOMAK teilnahm.

Nachdem wir alles über den Stromhandel in Deutschland und Europa erfahren hatten, brachen wir auf zu unserem letzten Tagesordnungs¬punkt – einer Fahrradtour. Diese führte uns rund um den Markkleeberger See. Wir erfuhren unter anderem, dass der Markklee¬berger See aus dem Restloch des Espenhainer Tagebaus entstand, mit dessen Flutung 1999 begonnen wurde. Der lange Weg zum endgültigen Markkleeberger See endete mit dem ersten Seegang am 15.07.2006. Erschöpft vom Fahrrad fahren, kamen wir am Abend in Naunhof an, wo wir bei einem gemeinsamen Abendessen Kräfte für den nächsten Tag sammeln konnten.


Mittwoch – 23.09.2009

Der dritte Tag unserer SOMAK stand thematisch unter dem Motto „Himmelswege – Pilgerwege – neue touristische Höhepunkte, Rück- und Ausschau“. Bereits vor Antritt der Busfahrt erhielten wir verschiedene Hintergrundinformationen zur Bundesautobahn 38, deren Bau als Südumfahrung Leipzigs nicht nur eine Ost – West Verbindung darstellt, sondern auch als „Verkehrsprojekt Deutsche Einheit“ einem besonderen Gesetz der Beschleunigung der Planung unterlag. Von dem verwendeten Asphaltbelag, der leiser ist als der Übliche, konnten wir uns bei der anschließenden Fahrt auf der A 38 selbst überzeugen. 



In der Arche Nebra angekommen, erfuhren wir in einer einführenden Gesprächsrunde, dass die Arche Nebra ein Standort der neuen Tourismusroute „Himmelswege“ ist, welche im Jahr 2005 durch das Wirtschaftsministerium des Landes Sachsen-Anhalt ins Leben gerufen wurde. Die Route verbindet u.a. Halle, Goseck, Nebra und Langeneichstädt miteinander. Nach zahlreichen Fakten rund um die Himmelsscheibe von Nebra, konnten wir in das Herzstück der Arche – das Planetarium, wo wir unter einer riesigen Kuppel virtuell 3600 Jahre zurück versetzt wurden. Euphorisch machten wir uns danach auf den Weg zum Fundort der Himmelsscheibe, den Mittelberg. Ein Picknick vor der Arche Nebra ließ uns Zeit, unsere Eindrücke zu verarbeiten und Energie zu tanken für unsere weiteren Tagesstationen.

     
Nachdem wir ja schon auf Straßen- und Himmelswegen unterwegs waren, führte uns die dritte Station des Tages nach Mücheln. Hier erfuhren wir, dass Mücheln eine Pilgerstation auf dem berühmten Jakobsweg ist, welcher die Pilger nach Santiago de Compostella führt. Der Jakobsweg berührt in 3 Routen den Geiseltalsee und natürlich kann man hier auch die berühmten Pilgermuscheln erhalten. Um noch weitere Einblicke in die Tradition des Pilgerns zu erfahren, besuchten wir eine Pilgerunterkunft, wo wir nicht nur interessante Geschichten erfuhren, sondern auch einen Pilgerstempel erhielten. Unser gemeinsamer Pilgerweg führte uns entlang am Geiseltalsee, vorbei an der entstehenden Marina Mücheln bis hin zu einem der 3 Fördertürme, wo Einige die Gelegenheit für ein Blick von oben nutzten.

Die letzte Station dieses Tages war die Zentralwerkstatt Pfännerhall, auch im Geiseltal gelegen. Für den Erhalt setzt sich ein Förderverein ein. Wir erfuhren, dass die Zentralwerk¬statt Pfännerhall nicht nur als einer der letzten Sachzeugen der Braunkohle erhalten werden soll, sondern auch als Impulsgeber für die Region. Pfännerhall gehört zur ERIH, der European Route of Industrial Heritage. Zu dieser gehören 845 Standorte in 31 Ländern und auf dieser Route wird die Vielfalt der europäischen Industriegeschichte dargestellt. In der Pfännerhall hatten wir nicht nur die Chance etwas über Industriegeschichte zu erfahren, sondern wir konnten auch kreativ tätig werden. Der Abschluss dieses Tages bildete ein gemütliches Abendessen mit regionalem Wein und anregenden Gesprächen, ehe wir zurück nach Naunhof aufbrachen.

Donnerstag – 24.09.2009

Am letzten Unternehmungstag beschäftigten wir uns mit dem Thema „Wasserstraßen: Von der Grube zu den Seen, von der Elster zur Alster“. Dazu brachen wir schon früh zum Tagebau Vereinigtes Schleenhain auf und erkundeten die Baustelle der Grubenwasser¬reinigungsanlage, mit der für klares und sauberes Wasser aus dem Tagebau gesorgt wird und welche neueste Technologien zur Einhaltung der Umweltstandards bietet. Wie ein solches gesäubertes Gewässer aussieht und wie sich die Exfiltration saurer Wässer auf die Fließgewässer auswirkt, konnten wir am Beispiel der Pleiße sehen.

Bevor wir zu einer Schiffsfahrt mit der Santa Barbara über den entstehenden Zwenkauer See aufbrechen konnten, hielten wir noch am Nordufer des Hainer Sees, wo wir etwas über neueste Methoden zur Neutralisierung des Sees erfuhren. Auf der Santa Barbara konnten wir nun auch sehen, wie Landschaften im Prozess der Renaturierung ihr Gesicht verändern und welche Möglichkeiten sich dafür für den hiesigen Tourismus ergeben. Darüber wurde auch noch während unseres Mittagessens, im Silberschacht Auenhain, diskutiert. 



Der letzte Anlaufpunkt am Donnerstag war der Leipziger City Tunnel, wo wir zuerst im Info Container über die Bauplanungen des City Tunnels und seine verschiedenen Stationen informiert wurden, später auch in den entstehenden Tunnel steigen durften und uns selber ein Bild machen konnten. Wir konnten erfahren, dass der City Tunnel vor allem eine Verkürzung der Reisezeiten mit S–Bahnen und Regionalbahnen bedeutet und dass die fertige Strecke 4 km umfassen und 4 Hauptstationen haben wird. Nach dieser, doch sehr beeindruckenden letzten Station des Tages fuhren wir wieder zurück nach Naunhof. Die verbleibende Zeit nutzten wir, um in unseren Gruppen selber kreativ zu werden und Ideen für die Abschlusspräsentation zu sammeln.

Freitag – 25.09.2009


Schon waren wir am letzten Tag unserer SOMAK angelangt und nun hieß es vor allem: Nachdenken, Basteln, Aufschreiben und Proben. Schon am frühen Morgen konnte man die verschiedenen Gruppen entdecken, die aufgeregt an ihren Projekten arbeiteten. Überall lag eine geheimnisvolle Gespanntheit in der Luft, war doch jetzt die Zeit angelangt, dass die Teilnehmer die Erlebnisse und Eindrücke der Woche in kreativer Weise umsetzen.



Die Band Busy Fingers, die unsere feierliche Abschlussveranstaltung in den passenden Rahmen setzte, traf schon ein und nach und nach auch die Gäste. Diese wurden auch nicht enttäuscht. Wir konnten nicht nur eine wahrlich energiegeladene Unterrichtsstunde erleben, die bildhaft erklärte, wie der Strom in die Steckdose kommt, sondern wir sahen auch einen Menschen, dessen Organe sich um die eigene Wichtigkeit im Körper stritten und einen Tagebau, der kein Auge trocken lies. Auch unsere serbischen Teilnehmer ließen es sich nicht nehmen, in einer Präsentation ihr Land und die dortige Bergbaulandschaft darzustellen und Vergleiche zu Mitteldeutschland zu ziehen sowie Anregungen zu geben. 



Zum krönenden Abschluss erhielt jeder Teilnehmer ein Zertifikat. Bei einem anschließenden Buffett hatten Gäste und Teilnehmer Gelegenheit zum Gespräch und zum Meinungs¬austausch. Es wurde viel geredet und gelacht und die SOMAK fand einen würdigen Ausklang. Die Woche war ereignisreich und anregend. Sicher wird das Erlebte dem Einen oder Anderen noch lange beschäftigen und vielleicht sogar zum Wiederkommen im nächsten Jahr bewegen! Mich persönlich würde es sehr freuen!